19. Oktober 2026 um 04:13 Uhr

Das Waldtal

In den 1920er Jahren wurde in der Knutzbach die ersten Häuser im Waldtal gebaut. Sie waren Notwohnungen und boten hauptsächlich städtischen Arbeitern ein neues Zuhause. In einem Haus mit ca. 133 qm haben damals bis zu 5 Mietparteien gewohnt. In den 1950er Jahren haben sich im Waldtal die Schausteller angesiedelt. Sie lebten in ihren Wohnwagen überwiegend am Dachsbau.

In den 1970er Jahren wurden im Zuge des städtischen „Entwicklungsprogrammes für den Stadtteil Waldtal“ neue Häuser am Rain sowie zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Das Studentendorf wurde am Rand des Waldtals errichtet.

Heute ist ein Drittel des Wohungsbestands im Waldtal Wohneigentum. Der restliche Bestand gehört 3 Wohnungsbaugesellschaften. Die Wohnungen „Am Rain“ gehören der GWH, die Wohnungen im „Ginseldorfer Weg“, der „Sankt-Martin-Straße“ und in anderen Straßen der GeWoBau und Wohnstadt. Die 32 Obdachlosenwohnungen gehören der GeWoBau.

Baulich und sozial gliedert sich das Waldtal in 3 Bereiche: in den Straßen „Ginseldorfer Weg“ und „Sankt-Martin-Straße“ wohnen vor allem ehemalige KrekelbewohnerInnen und Menschen mit niedrigem Einkommen, in der Straße „Am Rain“ wohnen Familien aus dem alten Quartier und vor allem zugewanderte russlanddeutsche Familien, in den Straßen „Waidmannsweg“, „Fuchspaß“ und „Dachsbau“ wohnen Alteingesessene und eher mittelschichtsorientierte Menschen.

Im Stadtteil leben (2025) 1454 Menschen mit 1. und 2. Wohnsitz. Der Bevölkerungsanteil der ausländischen Bevölkerung im Waldtal liegt bei 44% (Sozialbericht 2025). Im Waldtal leben Menschen mit circa 30 verschiedenen Nationalitäten.
Das Waldtal gehört mit zu den Stadtteilen in Marburg mit hohem Anteil an Transferleistungen, Menschen arbeiten im Saisongeschäft, sind Schrotthändler, Schausteller oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, die kaum zur eigenständigen Existenzsicherung ausreichen. Ein Großteil der Marburger Obdachlosen lebt im Waldtal.

Einer großer Teil der Bevölkerung des Stadtteils sind Kinder und Jugendliche. Viele von ihnen leben von Bürgergeld.

Die Bewohner des Waldtals engagieren sich vielfach in Vereinen, in der Waldtalgemeinde, der Burschenschaft Waldtal, dem örtlichen Fußballclub 1. FC Waldtal. Der AKSB bietet soziale Unterstützung und Gemeinwesenarbeit an und ist Träger der Kindertagesstätte „Die kleinen Strolche“. Die Elisabeth-Kirchengemeinde und die Kirchengemeinde St.-Peter-und-Paul sowie der Caritasverband sind Träger des St.-Martin-Haus, das als ökumenisches Sozialzentrum mit Schwerpunkt Jugendarbeit im Waldtal angesiedelt ist. Die evangelische Kirchengemeinde hält hauptsächlich Angebote für die älteren Bewohner des Stadtteils bereit. Das Waldtal liegt im Einzugsbereich der Geschwister-Scholl-Schule.

Das Waldtal bietet für seine Bewohner drei wesentliche Vorzüge: die Nähe zum Wald, der nicht vorhandene Durchgangsverkehr sowie eine gewachsene Nachbarschaft. Doch auch zahlreiche Herausforderungen existieren: die Integration von Zuwanderern, die Aktivierung von Nachbarschaftsaktivitäten, die Entwicklung von Zukunftsperspektiven für die BewohnerInnen in schwierigen Lebenssituationen sowie die Weiterentwicklung der Infrastruktur des Stadtteils.